bathysphäre

17. März 2007

der zerbrochene turm





















wieder schreit dies glockenseil nach gott und ich
vernichtet vom klang einer totenglocke
die wenigen schritte über die steine zum kreuz
zu weit / für nackte füße

niemand erkennt mich ich bin unsichtbar ein
schatten und ihre schwankenden leiber
dauern mich - der himmel verzerrt ein
sonnenstrahl der jeden stern / schändet

inzwischen reißen glocken einen turm inzwei
und unter der haut schneiden zungen durch fleisch
meine bis heute vergeudete stimme
mein gott / ich bin nur ein sklave

was bin ich dass ich nicht lebte verrottet
in einer tiefe / tote wege begleiten mich
verstummte gesänge begleiten mich kein weckruf
flache echos / die überall zeugen

eine welt zerbrochen zwischen autos
rascher wahn der liebe nicht mehr
als ein luftzug und niemand / wohin ich lange
zerweifelt nach einem ort

reden alles reden verwandelt in luft jedwed gefühl
ein abgas in der eigenen nase
welche wunden überzieht etwas haut welche sind
an den rändern zerklüftet / wie gitter

blut färbt die leere in mir in der tiefsee
würde es schwarz / wie soll mich erhalten was keine
antwort enthält – nur die sterblichkeit
jede kraft noch erstickt sie

wessen blutstrom hörte ich in der nacht
meine venen erinnern sich an manche / nicht mehr
als ein gebet das meine brust am morgen am fenster ausrief
halt mich fest /

doch jeder turm im innern ist ohne stein errichtet
nur ein witz / das weiß schon das märchen – ein mantel
der etwas wärmt bis er durchnäßt
mein herz es wird stille sein

ich stehe am kreuzweg und vor mir die landschaft
die ich nicht kannte
welcher himmel umhüllt diese karge erde
welches licht leuchtet mir

(nach hart crane)

2 sonar:

Blogger otis sagt ...

der zerbrochene turm

das glockenseil treibt trotz anwohnern früh am morgen gott herbei
und ich zehre mich aus als schleifte mich die totenglocke des tages selbst
über den weiten platz der kathedrale und über das kalte pflaster hinauf
bis zum kreuz das ist für nackte füße die hölle

niemand erkannte mich oder wer hörte das bataillon der schatten
im turm ihre schultern schwankten unentwegt stießen sie an mich -
wer aber vor mir vernahm das antiphone glockenspiel bevor noch
ein sonnenstrahl die sterne an sich riß bevor es sie aufsaugte?

die glocken ich sage die glocken reißen ihren turm inzwei sie schlagen
ich weiß nicht wo in meine haut schneiden ihre zungen innerlich
bis zur suppeneinlage aus knochen meine so lange jahre vergeudete stimme
aus gebrochenem wohlklang … und ich ihr sklave ihr diener!

meine unvollendeten enzykliken verrotten in einer tiefen schlucht tote
wege begleitet von einem chor sich überschlagender stimmen die plötzlich
verstummen! malandra gesänge dringen aus dem turm der weckruf der mir
entgegenspringt mit terassenförmigen echos überall liegen sie verstreut! …

und so war es als ich überall die zerbrochene welt betrat als ich
heraustrat die erhebende gesellschaft der liebe zu finden ihre stimme
die nur ein hauch im luftzug ist wer weiß wohin sie weht sie ist nie lang
genug an einem ort jene zerweifelte wahl zu treffen

ich goß mein wort aus und es verwandelte sich noch in der luft
durch jenen richtenden herrscher dessen schenkel die welt bronze färbt
jenes kristallene wort das in wunden einst der hoffnung galt
– nun zerklüftet wie alle hoffnungslosigkeit

das erdrutschartige vordringen meines blutes in diese leere entdeckt keine
antwort (wie könnte blut solch einen erhabenen turm erhalten bis wir
eine antwort auf jene fragen erpendeln?) – oder ist sie es deren süße
sterblichkeit die verborgenen kräfte erregt? –

durch wessen blutstrom hindurch kann ich hören welche schläge zählend
jene an die sich meine venen erinnern und jene die sie anfügen belebt
und gewiß dieses kämpferische gebet das meine brust jeden morgen ausruft:
das verheilende das ich festhielt ursprünglich nun und klar …

und ich errichte im innern einen turm ohne einen einzigen stein
(kein stein kann einen himmel in sich bergen) – nur ein mantel aus
kielseln sichtbare wiedergabe der schwingen einer ausgesäten ära
stille azurne kreise breiten sich aus wenn sie eintauchen

in die matrix des herzens dass die augen sich senken und zugleich erheben
dass es den ruhigen see in ein heiligtum wandelt dass ein turm ersteht …
die unendliche anständigkeit dieses himmels enthüllt jene der erde und lüftet
die liebe durch all seinen regen.

28. März 2007 um 01:39  
Blogger otis sagt ...

der zerbrochene turm

trotz anwohnern treibt das glockenseil früh am morgen gott herbei
und ich bin ausgezehrt als zerrte mich die totenglocke des tages selbst
an den haaren über den kalten platz der kathedrale und über das pflaster
hinauf bis zum kreuz / für nackte füße ist das die hölle

niemand erkannte mich oder wer bemerkte das bataillon der schatten
im turm ihre schultern schwankten ihre leiber stießen unentwegt an mich -
doch wer vor mir hörte das antiphone glockenspiel des himmels bevor noch
ein sonnenstrahl die sterne zerriß / bevor es sie aufsaugte?

die glocken ich sage die glocken reißen ihren turm inzwei sie schlagen
ich weiß nicht wo unter meiner haut schneiden ihre zungen durch das fleisch
bis zur suppeneinlage aus knochen meine so lange jahre vergeudete stimme
aus gebrochenem wohlklang / und ich ihr sklave ihr diener!

meine unvollendeten enzykliken sie verrotten in einer tiefen stille tote
wege begleitet von einem chor sich überschlagender stimmen die plötzlich
verstummten! malandrogesänge drangen aus dem turm der weckruf der mir
entgegenhallte terassenförmige echos / überall liegen sie! …

ich betrete eine welt die zerbrochen ist zwischen parkenden autos dort
im donner die erhabene gesellschaft der liebe zu finden ihre fistelnde stimme
die nur ein hauch im luftzug ist niemand weiß wohin sie weht nie ist sie lang
genug an einem ort jene zerweifelt getroffene wahl / zu bereuen

wie oft goß ich ein wort aus und es verwandelte sich noch in der luft
durch jenen richtenden herrscher dessen schenkel die welt bronze färbt –
eben die kristallene verstrebung welche wunden durch etwas hoffnung stillt
schon ist sie zerklüftet / da fällt alles durchs gitter

das erdrutschartige vordringen meines blutes in eine leere ist auch keine
lösung (wie könnte blut einen turm erhalten daß wir darin noch eine antwort
auf jene drängendsten fragen erpendeln?) – oder ist es gerade diese süße
sterblichkeit die / im innern verborgene kräfte erregt?

wessen blutstrom höre ich am ende wessen schläge sind es die ich zähle
meine venen erinnern sich an manche die sich belebend den meinen anfügten
und noch höre ich dieses kämpferische gebet das meine brust jeden morgen
ausruft: alles verheilende das ich festhielt / ursprünglich und klar …

daraus sei im inneren ein turm errichtet edel und vollends ohne stein
(kein stein kann einen himmel in sich bergen) – nur ein mantel aus feinen
kieseln soll die sichtbare wiedergabe der schwingen einer ausgesäten stille sein
wo sie eintauchen / ein ausbreiten azurner kreise

in der landschaft des herzens als wenn augen sich darin senkten und zugleich
erhebend den ruhigen see in ein heiligtum wandeln dass ein turm entsteht …
die unendliche anständigkeit dieses himmels enthüllt jene strahlende erde
und lüftet die liebe in all meinem regen.

(nach hart crane)

13. April 2007 um 08:02  

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