bathysphäre

4. September 2007

Der Kampf!

Im Quartier, im Ruhelager,
Waren wir schon wochenlang.
Aber ach, die schönen Tage
Schwinden all im schnellen Gang.
Bald heißt's wieder Aufgesessen,
Und zum Dorfe gehts hinaus.
Abends wird dann warm gegessen,
Und im Biwack ruhn wir aus.

Am andern Morgen geht es dann,
Immer munter, frisch und froh,
Weiter auf, die Straß' entlang,
Bis zu ziemlich an die Front.
Die Nacht darauf geht es dann schon
Gleich in unsre Stellung rein
Dabei scheinet uns der Mond,
Mit seinem silbergrauen Schein.

Dann heißt es aber "Arbeiten!"
An Stellung, Graben, Bunker,
Fliegerdeckung vorbereiten,
Für Landsturmleut und Junker.
Und tags darauf, vor Morgengrauen,
Im Schutze dichten Nebels,
Will uns der Feind schon gleich verhaun,
Mit Granaten, Bomben, Säbeln.

Wir antworten, weil so ists Brauch,
Mit kriegsgemäßem Grüße.
So geht es hin und her dann auch,
Ohn' Aufenthalt und Muße.
Bis es an Stärke sich erhebt,
In fürchterlicher Größe.
Sogar die Seele, die erbebt,
Vor solche Erdenstöße.

Granaten sausen hin und her,
Mit schrecklichem Getöse.
Es kracht und fletscht und zischt so sehr,
Als ob die Erd' sich löse.
Es qualmt u. dampft u. raucht u. schwitzt,
Eisensplitter, Stein und Erde.
Es heult u. saust und brummt u. blitzt,
Als ob die Welt vergehen werde.

Es geht den ganzen Tag so durch,
Bis zuletzt die Kraft gebricht.
Der Feind, er ladet langsam durch,
Lang aushalten tut er es nicht.
Es dunkelt schon, die Infanterie
will rein in unseren Graben.
Die unsre, die begrüßet sie,
Mit einig Handgranaten.

Sie zieht zurück, woher sie kam,
Und bleibt recht hübsch da sitzen.
Die Lehre, sie von uns bekam,
Daß mit uns nicht gut witzen.
Wir danken Gott, dass er uns gab,
Diesmal noch wieder Sieg.
Wir sind für Gott und Vaterland,
Für Kaiser und König im Krieg.

Sept.23, 1917
Louis Stellmann